Freitag, 25.10.2002
 

                                                            
Da war er also, der lang erwartete Moment, der mich in eine mir vollkommen neue und doch schon vertraute Welt eintauchen lassen sollte. 
Lange hatte ich es mir gewünscht, das Dach der Welt, den Himalaja endlich einmal selber kennenzulernen. Viele Bücher hatte ich schon gelesen, Erzählungen gelauscht, aber nun war es soweit, alles mit eigenen Augen zu sehen. Am Flughafen von München traf ich bereits erste Bekannte aus früheren Touren mit dem Summit Club, was mir sicher auch das Eintauchen in diese neue Welt einfacher machen würde. Eine Sondertour sollte es sein, keine Trekking-Tour von der "Stange", die mir viele neue Erfahrungen bringen sollte. Wege abseits der bekannten und belebten Trekkingrouten wollten wir gehen. Und auch die immer wieder aufkommenden Berichte von Unruhen zwischen Regierung und Maoisten hatten uns nicht von der Tour abhalten können.
Ein langer Flug sollte uns über Dubai nach Kathmandu bringen. Abenteuerlich wurde es schon in Dubai, wo der Zwischenstop stattfand. Alle mussten das Flugzeug verlassen und wurden mit einem Shuttlebus zum Terminal gebracht - immerhin volle 50 Meter. Ein- und Aussteigen dauerte länger als die Fahrt. Der Rückweg wa da schon abenteuerlicher - der Bus drehte immerhin drei Ehrenrunden auf dem Platz.

So nach und nach lernten wir dann die Teilnehmer unserer 14 Köpfe starken Gruppe kennen. Ein wirklich ausgeglichener Kreis - 7 Bayern und 7 Preussen, 7 Männer und 7 Frauen. 

Dann endlich der grosse Moment - es wurde hell und mit dem Näherkommen tauchten die Berge des Himalaja auf. Viele sahen diese zum ersten Mal und so drängte es viele auf die Flugzeugseite mit dem herrlichen Ausblick. Gut, dass moderne Maschinen diese einseitige Belastung kompensieren können, sonst wären wir wohl schon vorzeitig gelandet.

Dann ging es abwärts zum Flughafen Tribhuvan, wo wir die ersten Schritte auf nepalesischem Boden vor uns hatten. Aller Skepsis zum Trotz klappte die Abfertigung reibungslos und auch unser Gepäck war ausnahmslos komplett. So ging es (begleitet von diversen Jugendlichen, die Euros oder Dollar verdienen wollten) zum schon wartenden Bus, der uns zum Stützpunkt der ersten Tage bringen sollte. Die Fahrt ging vom stark militärisch gesicherten Flughafen in die Aussenbezirke von Kathmandu. Eine wirklich vollkommen neue Welt wartete auf uns - lärmender Verkehr, nicht enden wollendes Hupen und Menschenmengen in engen Gassen und baufällig anmutenden Gebäuden. Fast jedes Haus beherbergt eine Art Geschäft in seinem Erdgeschoss.
Immer weiter ging der Weg hinaus aus dem lärmenden Zentrum. Die Strassen waren schon längst nicht mehr asphaltiert, als wir plötzlich unser 5-Sterne Hotel, Godavari-Village-Resort erreichten. Die Schönheit und ,Abgeschiedenheit sowie den Luxus dieses Hotels hatten wir alle nach dem vorher erlebten nicht für möglich gehalten.
Nach einem tollen Mittags-Buffet bestand dann die Möglichkeit, die Altstadt von Kathmandu am Nachmittag auf eigene Faust zu erkunden. Mit dem hoteleigenen Bus ging es zur New Road, von wo der Weg zu Fuss zum Durbar Square ging. Verkehrsmassen, die bei uns schon längst zum Kollaps geführt hätten, wälzten sich durch die Strassen. Trotz aller Hektik konnten wir aber keine Aggressivität feststellen, wie sie auf unseren Strassen heimisch ist. Eng wurde es auch auf den Wegen durch die Altstadt. Erste Kontakte zur Bevölkerung entstanden durch Bettler und aufdringliche fliegende Händler. Aber zuerst stand für uns nur das Schauen auf dem Programm. Bei herrlichem Wetter ging es in den Altstadtbereich, wo wir erste Blicke auf die vielen Tempel werfen konnten. 

Der Weiterweg gestaltete sich dann schon schwieriger, da die Gassen von Händlern, Rikschas, Motorrädern und Menschenmassen überfüllt waren. Nur langsam kamen wir vorwärts, was letztendlich auch daran lag, dass unser Begleiter Michael von jedem Buchhändler magisch angezogen zu werden schien. Nach dem Verlassen dieser Gassen erholten wir uns einige Momente im Ratna-Park, der einen Treffpunkt der einheimischen Bevölkerung darzustellen scheint. Weiter gingen wir dann entlang vom Verkehr geplagter Strassen Richtung Königspalast. Staub und Abgase liessen einem fast den Atem stocken, der Lärm von Tausenden Fahrzeugen plagten unsere Ohren. Schon sehnte ich mich auf die kommende Ruhe der Berge.

Nach der Rückkehr in die idyllische Hotelanlage erschien mir das vorher Erlebte schon fast wie ein Traum. Ein tolles Abend-Buffet schloss den Tag dann ab.

  

Am Durbar Square von Kathmandu



                                                            Tempelanlagen in der Altstadt  von Kathmandu

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